Wassersport im Bodden  
 

Häufig gestellte Fragen

Warum sollte auch außerhalb der Brutzeit auf Vögel besondere Rücksicht genommen werden?

Weil die Vögel auf dem Greifswalder Bodden nicht nur in der Brutzeit von März bis Juni störungsempfindlich sind. Im Juni / Juli befinden sich zum Beispiel viele Wasservögel in der Mauser (Wechseln des Federkleides). Sie schwimmen dann flugunfähig auf den Wasserflächen, sind sehr scheu und brauchen unbedingt Ruhe. Zudem beginnt bereits ab Mitte August der Herbstzug

Sie lesen richtig: Der Herbstzug ist bereits im August in vollem Gange. Es sind dann zwar erst wenige der spektakulären Kraniche im Gebiet anwesend, dafür aber bereits viele der Wasservögel (z.B. Alpenstrandläufer) aus nordeuropäischen oder sibirischen Brutgebieten, die sich im nahrungsreichen Greifswalder Bodden noch einige Wochen lang für den weiten Weg in die Überwinterungsgebiete stärken müssen. Von den ersten Vorboten des Winters aus ihren Brutgebieten vertrieben, brauchen sie auf ihrem insgesamt bis zu 10.000 km langen Flug (z.B. Zwergseeschwalbe) möglichst störungsarme Rastplätze, um ihre Energiereserven aufzutanken. Diese finden sie hauptsächlich in den Uferregionen und Flachwasserzonen des Greifswalder Boddens.

Weshalb sind Vögel während der „Mauser“ besonders empfindlich und scheu?

Während der Mauser wechseln die Tiere jährlich ihr Gefieder. Dadurch werden sie teilweise flugunfähig und können sich vor vermeintlichen Gefahren (z.B. einem sich näherndem Boot) nur unter großem Kraftaufwand in Sicherheit bringen. Die körperliche Belastung und die Empfindlichkeit ähnelt der einer Fiebererkrankung beim Menschen. Um kräftezehrende Fluchtreaktionen der Vögel zu vermeiden, sollten daher ab Juni größere Vogelansammlungen möglichst weiträumig umfahren und vor allem in geschützten Buchten auf ruhende Vögel Rücksicht genommen werden.

So viele Schutzgebiete - ist das wirklich nötig. Reicht den Vögeln nicht auch ein einziges Gebiet, oder könnten sie nicht in andere Gebiete ausweichen? Nein, nur der Komplex unterschiedlicher Gebiete kann den Wert des Greifswalder Boddens als Brut- und Rastgebiet erhalten. Einige Beispiele, die das illustrieren:

  • Gründelnde Vogelarten, z. B. Stock-, Löffel-, oder Krickente (das sind jene, die nach der Methode "Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh" ihre Nahrung suchen) benötigen je nach Wasserstand unterschiedliche Gebiete, denn bei hohem Wasserstand könnten sie sonst ihre Nahrung in den Unterwasserpflanzenbeständen nicht mehr erreichen.
  • Als Segler kennt man das: Die besten Liegeplätze sind ruhige Buchten. Auch Wasservögel brauchen als Schlafplätze ruhige (relativ windstille und damit wellenarme) Wasserbereiche. Diese wechseln aber je nach Windrichtung.
  • Zur Nahrungssuche geeignete Gebiete besitzen oft nur eine geringe Eignung als Rast- und Schlafgebiet, brauchbare Mauserplätze müssen wieder andere Anforderungen erfüllen. Die meisten Vögel wechseln deshalb im Tagesverlauf zwischen verschiedenen Gebieten. Nur der Schutz eines Rastgebietes hilft den Vögeln nicht, sie brauchen auch geschützte Bereiche für die ungestörte Nahrungsaufnahme.

Weshalb werden einzelne Gebiete, die der Mensch nicht betreten soll dennoch beweidet?

An den Stellen, an denen Niederungen vom Bodden her überflutet werden, entwickeln sich Schilfröhrichte. Durch Beweidung mit Rindern werden daraus Salzweiden, ein mittlerweile selten gewordener Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Andere Flächen am Greifswalder Bodden werden durch Beweidung vor der Verbuschung bewahrt um z.B. wertvolle Trockenrasen zu erhalten. Im Gegensatz zum Menschen werden weidende Tiere von den Vögeln nicht als Bedrohung wahrgenommen und können daher auch auf für den Menschen nicht zugänglichen Flächen gehalten werden.

Warum soll ich während der Brutzeit von einzelnen Gebieten Abstand halten, wenn sich die Vögel nicht von ihrem Nest vertreiben lassen?

Sie denken wahrscheinlich an Schilfgürtel und z.B. an den Schwan der scheinbar unbeeindruckt auf seinem Nest bleibt. Doch auch wenn wir es mit dem bloßen Auge nicht sehen können, so steigt bei einer vermeintlichen Bedrohung der Blutdruck und Puls des Schwans an, er ist im Streß. Kommt es während dieser Zeit zu übermäßigen Störungen in der Nähe des Nestes, kann das Gelege mit den eventuell schon geschlüpften Jungen verlassen werden, bzw. die Bebrütung der Eier wird aufgegeben und die Jungvögel im Ei sterben.

Angesichts der Probleme mit dem Naturschutz: Ist das Segeln, Paddeln, Rudern und Angeln etwa kein umweltverträglicher Sport?

Doch: Wenn sich jeder an die Schutzbestimmungen und die Zehn Goldenen Regeln hält, ist er zweifellos ein umweltverträglicher Naturnutzer.

  Ein Gemeinschaftsprojekt von WWF Deutschland, Landesanglerverband, Landeskanuverband, Landesruderverband, Landesseglerverband, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg Vorpommern.   Dieses Projekt wurde gefördert aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER).